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    Vom Partieformular zur Lichess-Studie: Ein vollständiger Arbeitsablauf

    Ablaufdiagramm zu Vom Partieformular zur Lichess-Studie: Ein vollständiger Arbeitsablauf

    Im klassischen Turnierschach wird auch heute noch ganz traditionell aufgezeichnet: mit Stift, Papierformular und zwei Spielern, die so tief in ihren Stellungen versunken sind, dass sie an alles denken – nur nicht an die Digitalisierung. Diese Zettel landen meist in einem Ordner und werden selten wieder hervorgeholt. Das ist schade, denn eine eigene Vereinspartie ist ein weitaus wertvolleres Lehrmaterial als die hundertste Glanzpartie eines fremden Großmeisters.

    Eine Lichess-Studie ist das ideale Zuhause für diese Partien: Ein übersichtliches Kapitel pro Partie, instruktive Pfeile und Kommentare an den Schlüsselstellen und ein einziger Link, den Schüler, Trainer oder Vereinskollegen auf jedem Gerät öffnen können. Die folgende Anleitung zeigt dir, wie du handschriftliche Partien schnell in PGN umwandelst und daraus eine strukturierte, interaktive Studie erstellst.

    Was du benötigst

    • Deine handschriftlichen Papier-Partieformulare.
    • Ein Smartphone zum Abfotografieren.
    • Ein kostenloses ScanChess-Konto für die Schrifterkennung und den PGN-Export.
    • Ein kostenloses Lichess-Konto zum Erstellen der Studie.

    Das ist bereits die gesamte Ausrüstung: keine Spezial-Hardware und kein manuelles Abtippen.

    Schritt 1: Jede Partie in PGN umwandeln

    Fotografiere jedes Formular flach, gleichmäßig ausgeleuchtet und gestochen scharf ab (unsere Tipps dazu findest du in Partieformulare sauber scannen). Lade das Foto bei ScanChess hoch: Das System liest die Handschrift und spielt jeden Zug auf dem virtuellen Brett nach. Regelwidrige Züge werden rot und unklare Züge gelb markiert. Vergleiche markierte Stellen kurz mit dem Papier, spiele die Partie einmal auf dem Vorschaubrett durch und exportiere die PGN. Der Leitfaden Handschriftliche Partieformulare in PGN umwandeln erklärt die Details; der Aufbau der Datei wird in Was ist PGN? erläutert.

    Schritt 2: Die Lichess-Studie anlegen

    Melde dich bei Lichess an und erstelle im Bereich Lernen → Studien eine neue Studie. Eine Studie ist ein interaktives Notizbuch, das mehrere Partien in einzelnen Kapiteln bündelt. Sie eignet sich hervorragend für das Schachtraining, da jedes Kapitel eigene Variantenbäume, Textkommentare und grafische Markierungen tragen kann.

    Beim Einrichten wählst du die Sichtbarkeit: Lasse die Studie zunächst auf „Privat“, während du sie aufbaust. Später kannst du sie auf „Nicht gelistet“ oder „Öffentlich“ stellen. Du kannst auch gezielt Personen als Mitwirkende einladen, damit Schüler oder Mannschaftskollegen eigene Notizen ergänzen können.

    Wähle einen aussagekräftigen Titel, den man auch in einem halben Jahr noch sofort versteht: Turniername und Datum oder Name des Spielers und Saison (z. B. „Vereinsmeisterschaft 2026 – Runde 1 bis 5“), statt bloß „Partien 1“.

    Schritt 3: Ein Kapitel pro Partie importieren

    Klicke in der Studie auf Neues Kapitel hinzufügen, wähle den Reiter PGN und füge den exportierten Text aus ScanChess ein (oder lade die Datei hoch). Lichess liest die Züge ein und erzeugt ein interaktives Kapitel.

    Zwei einfache Gewohnheiten halten die Studie übersichtlich:

    • Eine Partie pro Kapitel: Fügst du eine PGN-Datei mit mehreren Partien ein, erstellt Lichess für jede Partie automatisch ein eigenes Kapitel. Vermeide es jedoch, fremde Partien als bloße Nebenvariante in dasselbe Kapitel zu quetschen.
    • Kapitel klar benennen: Benenne jedes Kapitel nach dem Gegner und der Runde (z. B. „R3: vs. Müller (1-0)“) oder nach dem trainingsrelevanten Thema („Turmendspiel Runde 4“). Eine Studie mit zwanzig Kapiteln namens „Kapitel 1“ bis „Kapitel 20“ ist ein unübersichtlicher Haufen, kein Inhaltsverzeichnis.

    Detaillierte Hinweise zum Import findest du unter PGN auf Lichess importieren.

    Schritt 4: Mit Pfeilen und Kommentaren anreichern

    Hier entfaltet die Studie ihren wahren Wert für das Training. Zu jedem Zug kannst du Textkommentare mit Plänen, Drohungen oder Erklärungen verfassen. Mit der rechten Maustaste ziehst du farbige Pfeile auf dem Brett; ein Klick mit der rechten Maustaste hebt wichtige Felder farbig hervor. Das ist die schnellste Methode, um eine taktische Drohung oder einen schwachen Bauern zu veranschaulichen, ohne lange Absätze schreiben zu müssen.

    Füge kritische Alternativen als Nebenvarianten ein, damit Schüler ausprobieren können: „Was wäre passiert, wenn ich stattdessen diesen Zug gespielt hätte?“ Bleibe fokussiert: Ein paar treffende Pfeile und zwei bis drei prägnante Anmerkungen pro Partie lehren oft mehr als eine Wand aus Text. Eine bewährte Trainingsmethode: Lass den Schüler zuerst an der Stelle, an der die Partie nach seinem Gefühl kippte, selbst einen Kommentar einfügen, bevor du deine Traineranalyse ergänzt.

    Genutzte Bewertungssymbole wie !, ? oder !? speichert Lichess sauber als NAG-Codes im Hintergrund; Schachsymbole und Kommentierungszeichen erklärt deren genaue Bedeutung.

    Schritt 5: Den Link zur Studie teilen

    Ist die Studie fertig, stelle sie auf „Nicht gelistet“ oder „Öffentlich“ und kopiere den Link aus der Adresszeile oder dem Teilen-Menü. Schicke ihn deinem Schüler, poste ihn in den Vereinschat oder nutze die Studie live im Online-Training. Jeder mit dem Link kann die Züge auf jedem Gerät nachspielen, deine Notizen lesen und Varianten durchklicken – ohne etwas installieren zu müssen.

    Für das Einzeltraining besonders wertvoll: Der integrierte Synchronisations-Modus von Lichess. Ist die Synchronisation aktiv, sehen alle Teilnehmer in Echtzeit exakt das Brett und den Zug, den der Trainer gerade aufruft – die Studie wird zum interaktiven digitalen Demobrett.

    Warum das dem manuellen Eintippen weit überlegen ist

    Das manuelle Eintippen einer 40-Züge-Partie dauert 5 bis 10 Minuten, ist eintönig und führt oft zu unbemerkten Eingabefehlern. Dieser Reibungsverlust führt dazu, dass die meisten Papierpartien niemals ausgewertet werden. Das Scannen reduziert die mechanische Arbeit auf ein Foto und einen kurzen Kontrollblick. Trainer können so ein ganzes Turnierwochenende am selben Abend in eine unterrichtsreife Studie verwandeln.

    Du musst nicht deine gesamte Schachkarriere an einem Abend digitalisieren: Nimm deine interessanteste Partie des letzten Turniers, jage sie durch den ScanChess-Scanner und erstelle daraus dein erstes Studienkapitel. Von dort aus wächst deine persönliche Sammlung Partie für Partie.

    Mach aus deinem Formular in Sekunden ein PGN

    Lade ein Foto hoch und lass ScanChess die Übertragung erledigen.

    Partieformular scannen

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