Du hast gerade eine glänzende Partie gespielt und möchtest einem Freund dieses spektakuläre Springeropfer zeigen – oder dein Trainer soll analysieren, wo die Partie entglitten ist. Eine Schachpartie online zu teilen, ist denkbar einfach, sobald man das passende Format für den jeweiligen Zweck kennt. Die Optionen reichen von der universellen Datei über interaktive Weblinks bis hin zum animierten GIF im Gruppenchat.
Zuerst: Die Partie in ein teilbares Format bringen
Bevor du etwas teilen kannst, muss deine Partie in einem Format vorliegen, das Schachprogramme und Websites verstehen. Fast immer nutzt du dafür PGN oder FEN:
- PGN (Portable Game Notation): Speichert eine vollständige Partie – jeden einzelnen Zug sowie Metadaten wie Spielernamen, Turnier, Datum und Ergebnis. Nutze PGN, wenn du die gesamte Partie teilen willst.
- FEN (Forsyth-Edwards Notation): Hält eine einzelne Brettstellung in einer einzigen Textzeile fest. Ideal für Taktikaufgaben, Eröffnungsfragen oder ein kniffliges Endspiel.
Befindet sich deine Partie bisher nur auf einem Papier-Partieformular, ist das dein Ausgangspunkt: Lade ein Foto des Formulars bei ScanChess hoch und du erhältst in Sekundenschnelle regelgeprüfte algebraische Züge und eine saubere PGN-Datei. Von dort aus stehen dir alle folgenden Wege offen. (Neu bei diesen Begriffen? Siehe Was ist PGN? und Was ist FEN?.)
Eine vollständige Partie teilen
Option 1: Die PGN-Datei direkt verschicken
Die unkomplizierteste und universellste Variante. Eine PGN ist eine reine Textdatei, daher kannst du sie:
- Als
.pgn-Datei an eine E-Mail oder Chat-Nachricht anhängen. - Den PGN-Text direkt in einen Chat kopieren (da es reiner Text ist, funktioniert das überall).
- In einem gemeinsamen Cloud-Ordner wie Google Drive oder Dropbox ablegen.
Der Empfänger kann die Datei in praktisch jeder Schach-App, auf jeder Schach-Website oder in Programmen wie ChessBase und SCID öffnen. Dies ist die beste Wahl, wenn dein Trainer oder Freund eine dauerhafte Kopie für seine eigene Datenbank benötigt.
Option 2: PGN in ein Analysebrett einfügen und den Link teilen
Dateien sind praktisch, aber Links sind im Gruppenchat deutlich bequemer. Beide großen Plattformen erlauben es, eine PGN zu importieren und einen teilbaren Link zu generieren:
- Lichess: Öffne lichess.org/paste (im Menü unter Werkzeuge → Partie importieren), füge deine PGN ein und klicke auf Partie importieren. Lichess erzeugt eine dauerhafte Partieseite mit eigener URL, die jeder direkt im Browser öffnen kann – ganz ohne Registrierung. (Eine Anleitung findest du unter PGN auf Lichess importieren.)
- Chess.com: Öffne die Analyseseite, nutze PGN laden, klicke auf Laden und teile den Link über das Teilen-Symbol. (Details in PGN in Chess.com importieren.)
Der große Vorteil: Der Empfänger erhält sofort ein interaktives Schachbrett, kann Züge durchklicken und auf Wunsch direkt die Schachengine befragen. Perfekt für die Frage: „Schau mal Zug 23 an – was hätte ich hier spielen sollen?“
Option 3: Partie auf einer Website oder im Blog einbetten
Wenn du eine Vereins-Website, einen Blog oder einen Newsletter betreibst, kannst du ein interaktives Brett direkt einbetten. Lichess bietet im Menü „Teilen & Exportieren“ einen HTML-Einbettungscode (<iframe>), mit dem Leser die Züge direkt auf deiner Seite nachspielen können.
Eine einzelne Stellung teilen
Manchmal geht es gar nicht um die gesamte Partie, sondern um einen ganz bestimmten Schlüsselmoment – etwa eine Taktikaufgabe oder ein lehrreiches Endspiel.
Option 4: Eine FEN-Zeile teilen
Eine FEN-Zeile beschreibt eine Schachstellung vollständig in einer einzigen Zeichenkette:
- Baue die Stellung auf einem Online-Analysebrett auf.
- Kopiere die FEN (meist unter „FEN/PGN“ oder in den Brett-Werkzeugen zu finden).
- Sende diese Textzeile im Chat.
Dein Gegenüber fügt die FEN einfach in sein eigenes Analysebrett ein und sieht sofort exakt dieselbe Stellung. FEN ist der sauberste Weg, um zu sagen: „Schau dir mal diesen Moment an!“, ohne 40 vorangehende Züge mitzuschicken.
PGN oder FEN: Wann nutzt man was?
Als Faustregel gilt:
- Nutze PGN, wenn jemand die gesamte Entwicklung der Partie nachvollziehen soll, um zu verstehen, wie die Stellung entstand und welche Entscheidungen Zug für Zug getroffen wurden.
- Nutze FEN, wenn nur eine isolierte Stellung zählt – wie bei Taktikaufgaben, Studien oder der Frage: „Ist dieses Endspiel gewonnen?“
Im Zweifel ist PGN die bessere Wahl: Eine PGN enthält ohnehin jeden einzelnen Halbzug und liefert Trainern den vollen Kontext.
Visuelle Varianten: Bilder und animierte GIFs
Für soziale Medien oder lockere Chatgruppen wirkt ein Bild oft schneller als ein Weblink:
- Statischer Screenshot: Die meisten Analysebretter erlauben den Export der aktuellen Brettansicht als Bild – perfekt für Rätsel à la „Weiß zieht und gewinnt“.
- Animiertes GIF: Lichess kann aus einer Partie automatisch ein animiertes GIF generieren, das die Züge wie einen kurzen Film abspielt.
Kombiniere ein GIF oder Bild am besten immer mit dem PGN-Link, falls jemand die Partie ernsthaft nachspielen möchte.
Ein typischer Ablauf in der Praxis
Nach einer echten Turnierpartie am Brett sieht der Ablauf typischerweise so aus:
- Du schreibst die Züge während der Partie auf dem Papier-Partieformular mit.
- Nach der Runde fotografierst du das Formular und lässt es von ScanChess in eine geprüfte PGN umwandeln.
- Du fügst die PGN bei lichess.org/paste ein und kopierst den erzeugten Link.
- Du schickst den Link an deinen Trainer mit dem Hinweis: „In Zug 23 war ich mir unsicher.“
Dieser Prozess dauert keine drei Minuten: Dein Gegenüber erhält ein interaktives, fertiges Analysebrett statt eines verknickten Zettels, den er erst mühsam abtippen müsste.
Vom Zettel zum teilbaren Link
Die größte Hürde beim Teilen lag bisher fast immer darin, analoge Partien in digitale Form zu bringen. Jede mit dem ScanChess-Scanner erfasste Partie erhält zudem einen direkten Link, sodass du deine Partien auf Wunsch sogar sofort und ohne Umwege teilen kannst.

