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    Wie man ein Schach-Partieformular liest: Ein Leitfaden für Einsteiger

    Ablaufdiagramm zu Wie man ein Schach-Partieformular liest: Ein Leitfaden für Einsteiger

    Ein ausgefülltes Schach-Partieformular ist eine Tabelle aus nummerierten Zeilen voller Einträge wie 1. e4 e5 2. Nf3 Nc6. Diese Zeilen bilden die lückenlose Aufzeichnung einer gesamten Partie. Jeder Zug beider Spieler wird in einer kompakten Kurzschrift festgehalten. Sobald du den grundlegenden Aufbau und die wenigen Symbole verstanden hast, liest sich ein Partieformular wie das Protokoll eines packenden Dialogs, den zwei Denker über dem Brett geführt haben.

    Im Folgenden lernst du zuerst den tabellarischen Aufbau kennen, anschließend die Figurenbuchstaben und Sondersymbole sowie schließlich die standardisierten Ergebniscodes am unteren Rand des Formulars.

    Wozu ein Partieformular dient

    Ein Partieformular ist das offizielle Dokument einer Schachpartie. Bei gewerteten Turnieren sind beide Spieler verpflichtet, jeden Zug während der Partie mitzuschreiben. Das ausgefüllte Blatt ermöglicht es dir, die Partie später nachzuspielen, Streitigkeiten über den tatsächlichen Ablauf zu schlichten, ein Remis durch Stellungswiederholung zu reklamieren und dein eigenes Spiel zu analysieren. Einen genaueren Einblick in die offiziellen Vorschriften bietet unser Leitfaden zu den FIDE-Partieformular-Regeln.

    Die Schrift auf einem Formular folgt der internationalen algebraischen Standard-Notation (SAN). Falls dir die Buchstaben und Koordinaten noch fremd sind, erklärt dir unser Grundlagenartikel Schachnotation erklärt das gesamte System von Grund auf.

    Der Aufbau: Spalten und Zugnummern

    Ein Partieformular ist eine strukturierte Tabelle. Jede nummerierte Zeile steht für einen vollständigen Zug, was im Schach immer bedeutet: ein Halbzug für Weiß und ein Halbzug für Schwarz. Typischerweise gibt es drei Spalten pro Zeile:

    • Die Zugnummer (1, 2, 3 usw.).
    • Die Weiß-Spalte für den ausgeführten Zug von Weiß.
    • Die Schwarz-Spalte für die Erwiderung von Schwarz.

    Da Weiß stets den ersten Zug der Partie ausführt, liest du jede Zeile von links nach rechts: zuerst die Zugnummer, dann den weißen Zug, dann den schwarzen Zug. Diese Kombination aus weißem und schwarzem Zug nennt man Zugpaar. Die meisten Formulare besitzen zwei Spaltenblöcke nebeneinander, damit eine längere Partie auf eine einzige Seite passt: Du füllst zuerst den linken Block von oben nach unten aus und fährst dann oben im rechten Block fort.

    Ein Zugpaar lesen

    Betrachten wir die erste Zeile 1. e4 e5. Die 1. ist die Zugnummer. Das e4 in der Spalte für Weiß bedeutet, dass Weiß einen Bauern auf das Feld e4 gezogen hat. Das e5 in der Spalte für Schwarz zeigt, dass Schwarz seinen Bauern nach e5 erwidert hat. Diese eine Zeile hält zwei reale Züge auf dem Brett fest.

    Ein durchgehendes Beispiel

    So sehen die ersten vier Zugpaare einer Italienischen Partie auf einem Partieformular aus:

           Weiß     Schwarz
    1.     e4       e5
    2.     Nf3      Nc6
    3.     Bc4      Bc5
    4.     c3       Nf6
    

    Ausgesprochen bedeutet dies: Weiß eröffnet mit dem Königsbauern nach e4, Schwarz antwortet symmetrisch mit e5. Weiß entwickelt den Springer nach f3 und greift den Bauern e5 an, Schwarz verteidigt ihn mit dem Springer nach c6. Der weiße Läufer zieht nach c4 und visiert den Schwachpunkt f7 an, woraufhin Schwarz seinen Läufer nach c5 entwickelt. Weiß zieht den Bauern nach c3, um das Zentrum vorzubereiten, und Schwarz entwickelt den Springer nach f6. Vier Zeilen, acht Halbzüge – eine klassische Stellung.

    Die Symbole entschlüsseln

    Die erste Hürde für Einsteiger sind die Abkürzungen der Figuren. Figuren werden mit einem Großbuchstaben notiert; für Bauern wird überhaupt kein Buchstabe geschrieben (man notiert lediglich das Zielfeld). Im internationalen Standard (SAN) lauten die Figurenbuchstaben:

    • K = König (King)
    • Q = Dame (Queen)
    • R = Turm (Rook)
    • B = Läufer (Bishop)
    • N = Springer (kNight – N, da K bereits für den König vergeben ist)

    (Hinweis: Auf deutschen Formularen begegnen dir handschriftlich oft K, D, T, L, S. Im internationalen Standard und bei digitalen PGN-Dateien gilt jedoch stets K, Q, R, B, N.)

    Darüber hinaus gibt es einige wichtige Zusatzzeichen:

    • x steht für Schlagen, wie in Nxe5 (Springer schlägt die Figur auf e5).
    • + bedeutet Schachgebot, wie in Qh5+.
    • # bedeutet Schachmatt – das Spiel ist beendet, wie in Qxf7#.
    • O-O steht für die kurze Rochade (Königsflügel, zwei Buchstaben O mit Bindestrich).
    • O-O-O steht für die lange Rochade (Damenflügel, drei Buchstaben O).
    • = markiert eine Bauernumwandlung, wie in e8=Q (Bauer erreicht e8 und wandelt sich in eine Dame um).
    • e.p. steht optional hinter einem En-passant-Schlagzug (exd6 e.p.). Im reinen SAN-Standard wird der Zug wie ein normaler Bauernschlag geschrieben.

    Zeichen wie ! (guter Zug) oder ? (Fehler) stammen aus der nachträglichen Analyse und gehören nicht zur Mitschrift während der eigentlichen Partie.

    Eindeutigkeit bei Zügen

    Können zwei gleichartige Figuren dasselbe Feld betreten, ergänzt die Notation die Ausgangslinie oder Ausgangsreihe. Wenn beispielsweise beide Türme nach d1 ziehen könnten, kennzeichnet Rad1 den Turm von der a-Linie und unterscheidet ihn vom Turm auf der f-Linie.

    Wie das Ergebnis notiert wird

    Am unteren Ende des Formulars wird das Resultat der Partie mit drei standardisierten Codes eingetragen:

    • 1-0 bedeutet: Weiß hat gewonnen.
    • 0-1 bedeutet: Schwarz hat gewonnen.
    • ½-½ bedeutet: Die Partie endete unentschieden (Remis).

    Dies sind Wertungspunkte: Der Sieger erhält 1 Punkt, der Verlierer 0 Punkte, bei einem Remis erhält jeder Spieler einen halben Punkt. Zudem finden sich dort Felder für die Namen beider Spieler, Datum, Runde, Tischnummer sowie die Unterschriften beider Seiten.

    Wenn du selbst eine Partie mitschreiben möchtest, anstatt nur eine fremde zu lesen, erklärt dir unser Leitfaden Wie man ein Partieformular ausfüllt alle Details.

    Die Partie vom Papier auf den Bildschirm bringen

    Sobald du ein Formular flüssig lesen kannst, möchtest du die Partie meist interaktiv am Computer nachspielen oder analysieren. Das Standardformat dafür ist PGN, das wir in Was ist PGN? erläutern. In Handschriftliche Partieformulare in PGN umwandeln vergleichen wir das manuelle Abtippen mit dem automatischen Scannen.

    Vierzig Züge von Hand einzutippen, ist zeitaufwendig. Ein einfaches Foto des Formulars bei ScanChess hochgeladen liefert dir die Züge in algebraischer Notation zurück – inklusive regeltechnischer Prüfung jedes einzelnen Zugs. So kannst du deine Partie direkt am Bildschirm genießen.

    Mach aus deinem Formular in Sekunden ein PGN

    Lade ein Foto hoch und lass ScanChess die Übertragung erledigen.

    Partieformular scannen

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