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    Anleitung

    Wie man ein Schach-Partieformular liest: Ein Leitfaden für Einsteiger

    Wie ein Partieformular aufgebaut ist und wie du es liest: Zugpaare, Spalten für Weiß und Schwarz, Figurenbuchstaben, Symbole und die Ergebniscodes.

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    10 Min. Lesezeit

    Auf dieser Seite9
    1. 1Anatomie eines Partieformulars
    2. 2Lesereihenfolge über Spalten hinweg
    3. 3Kurzzeichen der Zugnotation (SAN)
    4. 4Unleserliche Handschriften und blasse Durchschläge entziffern
    5. 5Nicht-standardisierte Zeichen und Notizen während der Partie
    6. 6Ältere Partieformulare lesen: Die deskriptive Notation
    7. 7Der Fußbereich: Ergebnis und Unterschriften
    8. 8Was wir bei unseren Tests beobachtet haben
    9. 9Die Partie vom Papier ins PGN-Format übertragen

    Um ein Schach-Partieformular zu lesen, betrachtet man es am besten als ein strukturiertes Raster aus nummerierten Zeilen, den sogenannten Zugpaaren. Jede Zeile hält einen vollständigen Zug fest: die Zugnummer links, den Zug von Weiß in der mittleren Spalte und die Antwort von Schwarz in der rechten Spalte. Man liest jede Zeile von links nach rechts (1. e4 e5), folgt der Spalte nach unten bis Zug 30 oder 35 und wechselt dann an den Anfang der nächsten Spalte oder auf die Rückseite des Formulars. Unten wird das Endergebnis als 1-0 (Sieg für Weiß), 0-1 (Sieg für Schwarz) oder ½-½ (Remis) eingetragen.

    Im Folgenden erfährst du, wie physische Partieformulare aufgebaut sind, wie man sich in mehrspaltigen Layouts zurechtfindet, wie sich unleserliche Handschriften entziffern lassen und wie spezielle Notizen während der Partie oder ältere Notationsformen zu lesen sind.

    Anatomie eines Partieformulars

    Turnier-Partieformulare (ob einfaches Papier, selbstdurchschreibende NCR-Durchschreibesätze oder spiralgebundene Partiehefte) folgen einem standardisierten dreiteiligen Aufbau: Metadaten im Kopfbereich, Zugspalten und die Ergebniszeile im Fußbereich.

    +--------------------------------------------------------------+
    | EVENT: Spring Open 2026   ROUND: 3   BOARD: 14   DATE: ...   |
    | WHITE: Smith, J. (1820)             BLACK: Davis, A. (1795)  |
    +--------------------------------------------------------------+
    |     COLUMN 1 (Moves 1-30)     |     COLUMN 2 (Moves 31-60)   |
    | No.  White    Black    [Time] | No.  White    Black    [Time]|
    | 1.   e4       e5              | 31.  Rxe5     fxe5           |
    | 2.   Nf3      Nc6             | 32.  Qd3      Kf7            |
    | ...                           | ...                          |
    | 30.  Rd1      Qe7             | 60.  ...      ...            |
    +--------------------------------------------------------------+
    | RESULT: 1-0 [ ]  0-1 [ ]  1/2-1/2 [X]                        |
    | SIGNATURE (White): J. Smith    SIGNATURE (Black): A. Davis   |
    +--------------------------------------------------------------+
    

    Ein Partieformular ist die offizielle Aufzeichnung der Partie gemäß den FIDE-Partieformular-Regeln. Beide Spieler notieren jeden Zug und schaffen so den schriftlichen Nachweis, der erforderlich ist, um Reklamationen auf dreifache Stellungswiederholung zu prüfen, die 50-Züge-Regel zu bestätigen und Zeitkontrollen zu dokumentieren.

    Lesereihenfolge über Spalten hinweg

    Um ein Partieformular korrekt zu lesen, muss man dem Verlauf der Partie folgen, anstatt die Seite einfach zeilenweise quer zu überfliegen:

    1. Zug 1 von links nach rechts lesen: Erfasse die Zugnummer, den Zug von Weiß und die Antwort von Schwarz.
    2. Spalte 1 vertikal nach unten folgen: Fahre mit den Zügen 2, 3, 4 und weiter nach unten bis zum Ende des ersten Blocks fort (üblicherweise Zug 30 oder 35).
    3. An den Anfang von Spalte 2 springen: Lies nicht horizontal in die Nachbarspalte hinein. Zug 31 beginnt ganz oben im nächsten Spaltenblock (oder auf der Rückseite bei einspaltigen Formularen).
    4. Zeitspalten erkennen: Viele Turnierformulare enthalten neben den Zügen eine schmalere Spalte mit der Beschriftung "Time" oder "Clock". Diese erfasst die verbrauchte Zeit oder die verbleibenden Uhrminuten (z. B. 1:24), keinen Zug auf dem Brett.

    Wenn du bei einem Turnier dein eigenes Formular ausfüllst, siehe Wie man ein Partieformular ausfüllt für Notationsgewohnheiten, die Schreibfehler verhindern.

    Kurzzeichen der Zugnotation (SAN)

    Partieformulare verwenden die Standard-Algebraische Notation (SAN). Eine vollständige Einführung in Linien, Reihen und Koordinaten findest du in Schachnotation erklärt. Zu den grundlegenden Kurzzeichen gehören:

    • Figurenbuchstaben: K (König), Q (Dame / Queen), R (Turm / Rook), B (Läufer / Bishop) und N (Springer / Knight, da K bereits für den König reserviert ist). Bauern erhalten keinen Buchstaben – es wird nur das Zielfeld notiert (z. B. e4).
    • Schlagzüge (x): Steht zwischen dem Figurenbuchstaben und dem Zielfeld (Bxf7). Bei Bauernschlägen wird zuerst die Ausgangslinie angegeben (exd5).
    • Sonderzüge:
      • O-O: Kurze Rochade (Königsflügel).
      • O-O-O: Lange Rochade (Damenflügel).
      • =: Bauernumwandlung, gefolgt von der neuen Figur (e8=Q).
      • +: Schachgebot (Qh5+).
      • #: Schachmatt (Qxf7#).
      • e.p.: Optionaler Zusatz für En-passant-Schlagzüge (exd6 e.p.).
    • Eindeutigkeit: Können zwei gleichartige Figuren auf dasselbe Feld ziehen, wird die Ausgangslinie oder Ausgangsreihe eingefügt (z. B. Rad1 oder N1d2).

    Ausführliches Beispiel: Die Italienische Partie

    So sehen die ersten vier Zugpaare einer Italienischen Partie auf einem Partieformular aus:

    Zug-Nr.WeißSchwarzBeschreibung
    1e4e5Weiß zieht den Königsbauern nach e4; Schwarz antwortet spiegelbildlich mit e5.
    2Nf3Nc6Weiß entwickelt den Springer mit Angriff auf e5; Schwarz entwickelt den Springer zur Verteidigung von e5.
    3Bc4Bc5Weiß postiert den Läufer auf c4; Schwarz stellt seinen Läufer spiegelbildlich nach c5.
    4c3Nf6Weiß bereitet den Bauernvorstoß im Zentrum vor; Schwarz entwickelt den Springer nach f6.

    Unleserliche Handschriften und blasse Durchschläge entziffern

    Das Entziffern physischer Partieformulare – insbesondere der gelben oder rosa selbstdurchschreibenden Durchschläge (NCR), die an Gegner oder Schiedsrichter übergeben werden – wird häufig durch hastige Handschrift oder schwachen Farbdurchtrag erschwert. Nutze diese Regeln, um mehrdeutige Zeichen zu entschlüsseln:

    Handschriftliches ZeichenHäufige FehlinterpretationWie man Unklarheiten auflöst
    b (Linienbuchstabe)Ziffer 6Syntaxposition prüfen: Ein Linienbuchstabe steht immer vor einer Reihennummer. b6 ist gültig; 6b nicht.
    B (Läufer)Ziffer 8 oder 13Figurenbuchstaben stehen am Anfang eines Zuges. Folgt auf das Zeichen ein Kleinbuchstabe (Bc4), handelt es sich um einen Läufer und nicht um eine 8.
    N (Springer)M, v oder ZSchau auf das Zielfeld. Steht das Zeichen vor f3 oder c6, ist es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Springer.
    O-O (Rochade)0-0 oder o-oSpieler in Zeitnot schreiben häufig Nullen oder Kleinbuchstaben. Jeder 0-0-Eintrag steht für eine Rochade.
    + (Schach)t, 4 oder xDas Schachzeichen steht am Ende des Zugstrings (Qh5+), während das Schlagzeichen x zwischen Figur und Koordinate steht.
    Blasser DurchschlagVerschmierte oder leere FelderHalte das Durchschlagblatt schräg ins Licht, um die in die Papierfasern geprägten Stiftrillen zu erkennen, oder vergleiche es mit dem weißen Original.

    Nicht-standardisierte Zeichen und Notizen während der Partie

    Turnierspieler notieren häufig zusätzliche Symbole auf ihren Partieformularen:

    Symbol / ZeichenBezeichnungBedeutung auf dem Partieformular
    (=) oder KreisRemisangebotDer Spieler hat bei diesem Zug Remis angeboten (wird von einem der beiden Spieler notiert).
    1:42 oder 45UhrennotationVerbleibende Bedenkzeit auf der Schachuhr oder für diesen Zug verbrauchte Minuten.
    KtSpringerÄltere englische Notation für den Springer (verwendet, bevor N zum Standard wurde).
    chSchachAusgeschrieben statt des modernen +-Symbols.
    dbl ch / ++Doppelschach / MattAuf älteren Partieformularen stand ++ für ein Doppelschach oder Schachmatt anstelle von #.
    :SchlagenIn kontinentaleuropäischen Partieheften häufig anstelle von x verwendet (z. B. B:f7).

    Ältere Partieformulare lesen: Die deskriptive Notation

    Wenn du ein älteres Turnierarchiv oder Vereins-Partiehefte aus der Zeit vor den 1980er-Jahren durchsiehst, sind die Züge höchstwahrscheinlich in deskriptiver Notation statt in algebraischer Notation verfasst.

    Die deskriptive Notation benennt Felder relativ aus der Sicht des jeweiligen Spielers, basierend auf der Anfangsfigur auf jeder Linie:

    • Figurensymbole: Bauern werden ausdrücklich als P notiert, Springer als Kt oder N.
    • Linien: Benannt nach den Anfangsfiguren: QR, QN, QB, Q, K, KB, KN, KR.
    • Reihen: Gezählt von 1 bis 8, ausgehend von der eigenen Grundreihe des jeweiligen Spielers.
    Deskriptive NotationModerne algebraische Notation (SAN)Anmerkungen
    1. P-K4 P-K41. e4 e5K4 für Weiß ist e4; K4 für Schwarz ist e5.
    2. N-KB3 N-QB32. Nf3 Nc6Springer nach Königs-Läufer 3; schwarzer Springer nach Damen-Läufer 3.
    3. B-B4 B-B43. Bc4 Bc5Weißer Läufer nach Läufer 4 (Bc4); schwarzer Läufer nach Läufer 4 (Bc5).
    4. PxP4. exd4 (oder ähnlich)Bauer schlägt Bauer.

    Eine vollständige Gegenüberstellung beider Systeme findest du in unserem Leitfaden über deskriptive vs. algebraische Notation.

    Der Fußbereich: Ergebnis und Unterschriften

    Nach Beendigung der Partie wird das Endergebnis in die Kästchen am unteren Rand eingetragen:

    • 1-0: Weiß hat gewonnen.
    • 0-1: Schwarz hat gewonnen.
    • ½-½ (oder 1/2-1/2): Die Partie endete remis (unentschieden).

    Beide Spieler unterschreiben das Formular, um zu bestätigen, dass Einigkeit über das eingetragene Ergebnis und die Zuganzahl besteht. Sobald das Formular unterschrieben und beim Schiedsrichter abgegeben wurde, ist das Ergebnis offiziell.

    Von uns getestet

    Was wir bei unseren Tests beobachtet haben

    Als wir am 30. September 2026 das Lesen echter und vorgefertigter Partieformulare getestet haben (im abgemeldeten Zustand), untersuchten wir handschriftliche Eigenheiten, nicht-standardisierte Notationen und wie Software-Validierer mit mehrdeutigen Einträgen umgehen.

    Analyse eines echten Partieformulars von 1973

    Wir haben das handschriftliche Partieformular aus Runde 1 des Berliner Silvesterturniers 1973 zwischen Juliane Hund und Finkenzeller analysiert (wir haben es nicht durch die Texterkennung laufen lassen).

    Vollständiges handschriftliches Partieformular aus Hund gegen Finkenzeller 1973
    Foto: GFHund, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

    Das Formular veranschaulicht mehrere praxisnahe Notationskonventionen:

    • Leere Datumszeile: Im Kopfbereich bleibt das Datumsfeld leer. In digitalen PGN-Tags wird dies als Date "1973.??.??" erfasst, anstatt einen Tag zu erraten.
    • Deutsche Figurenbuchstaben: Die Züge verwenden deutsche Abkürzungen: S (Springer = knight), L (Läufer = bishop), T (Turm = rook), D (Dame = queen) und K (König = king).
    • Schlagen mit Doppelpunkt: Schlagzüge werden mit einem nachgestellten Doppelpunkt anstelle eines x notiert, wie etwa cd5: für cxd5 und Tc6: für Rxc6.
    • Rochade: Mit Nullen als 0-0 geschrieben.
    • Handschriftliche Besonderheiten: Das handschriftliche b weist eine Oberschlaufe auf, die einem l oder f ähnelt (sichtbar in Db3 und Lb7). Bei 15...Ld6 wurde ein Buchstabe über das d geschrieben.
    • Aufgabevermerk: Nach 23.Tc7 enthält die Zeile 23 von Schwarz eine handschriftliche deutsche Abkürzung für „aufgegeben“ (aufgegeben) statt eines Zuges, womit die Partie 1-0 endet. Alle 23 Züge wurden mit python-chess als regelkonform verifiziert.
    Züge 11 bis 17 des Partieformulars von 1973 mit deutscher Notation und handschriftlichen Besonderheiten
    Foto: GFHund, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

    Mehrdeutige Zeilen auf unserem Demo-Partieformular

    Wir haben außerdem ein selbst erstelltes Demo-Partieformular mit den Zügen der Opernpartie von 1858 evaluiert (wir haben es nicht durch die Texterkennung laufen lassen). Dabei haben wir gezielt handschriftliche Mehrdeutigkeiten eingebaut, um zu sehen, wie sie aufgelöst werden.

    Mehrdeutige handschriftliche Zeilen auf unserem Demo-Partieformular

    Wir haben die wörtlich gelesenen Einträge in den PGN-Validator eingegeben, um zu sehen, wie er damit umgeht:

    • Zug 7...Qe7 fälschlicherweise als "Qe1" gelesen: Die 7 wurde fast ohne oberen Querbalken geschrieben. Die Eingabe von Qe1 erzeugte „Regelwidriger Zug bei 7... Qe1“ und den Hinweis „13 Züge davor waren regelkonform“. Der Validator stellte eine Liste „Mögliche Züge hier“ bereit, die Qe7 enthielt, zusammen mit einem Brett „Stellung beim Abbruch“ und der FEN.
    • Zug 9...b5 fälschlicherweise als "65" gelesen: Ein b mit kurzem Schaft sieht visuell wie eine 65 aus. Die Eingabe von 65 erzeugte „Regelwidriger Zug bei 9... 65“, und die Liste der legalen Züge zeigte b5.
    • Korrekturen und Rochade: Bei 14.Rd1 strich der Schreiber Rd8 mit einer einzelnen Linie durch und notierte daneben Rd1. Die Rochade bei 12.O-O-O wurde mit Nullen (0-0-0) notiert, was der Validator laut eigener Angabe automatisch normalisiert. Das durchgestrichene Rd8 ist zu überspringen: Kein weißer Turm kann bei Zug 14 das Feld d8 erreichen, sodass nur Rd1 passt.

    In unserem öffentlichen Test las der Scanner auf 3 Partieformularen in algebraischer Standardnotation (davon 2 gedruckte Testformulare) 141 von 143 Zügen auf Anhieb richtig und erfand auf leeren Formularen keine Züge.

    Jeden Zug des Tests ansehen

    Die Partie vom Papier ins PGN-Format übertragen

    Ein handschriftliches Partieformular manuell abzulesen, um die Züge in eine Analyse-Engine einzutippen, ist langsam und anfällig für Tippfehler. Das standardisierte digitale Format zum Speichern und Teilen von Schachpartien ist PGN (Portable Game Notation), das die Metadaten im Kopfbereich (Header-Tags) und die SAN-Zugliste bewahrt; siehe Was ist PGN? für die Funktionsweise des Formats.

    Um Papierformulare in digitale Partien umzuwandeln, vergleicht Handschriftliche Partieformulare in PGN umwandeln die manuelle Abschrift mit dem optischen Scannen.

    Statt Zugpaare manuell abzutippen, kannst du ein Foto deines Papierformulars bei ScanChess hochladen. ScanChess erkennt handschriftliche Notation, prüft jeden Zug anhand der Schachregeln auf einem interaktiven Brett, hebt mehrdeutige Züge zur Überprüfung hervor und exportiert saubere PGN-Dateien direkt in deine Datenbank. Falls du neue Formulare für deine bevorstehenden Turnierrunden benötigst, kannst du dir außerdem Druckbare Partieformulare herunterladen.

    Tools in diesem Artikel

    Mach aus deinem Formular in Sekunden ein PGN

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