1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 – das sind drei Schachzüge für jede Seite, festgehalten in jeweils wenigen Zeichen. Die Schachnotation ist eine kompakte Methode, um jeden Zug einer Partie aufzuzeichnen, damit man sie später nachspielen, analysieren oder teilen kann. Das heute weltweit etablierte System ist die algebraische Notation, deren internationaler Standard als SAN (Standard Algebraic Notation) bezeichnet wird. Sobald du eine Handvoll Symbole verstanden hast, kannst du jedes Partieformular lesen, Meisterpartien in Büchern nachvollziehen und deine eigenen Züge bei Turnieren fehlerfrei aufschreiben.
Im Folgenden lernst du alle Bausteine Schritt für Schritt kennen: das Koordinatensystem, die Figuren-Buchstaben, das Schlagen von Figuren, Rochade, Schach und Matt, Bauernumwandlung, En passant sowie die Unterscheidung mehrdeutiger Züge – abgerundet durch ein konkretes Praxisbeispiel.
Das Koordinatensystem: Linien und Reihen
Jedes Feld auf dem Schachbrett besitzt eine eindeutige Bezeichnung aus einem Buchstaben und einer Zahl.
- Linien sind die acht vertikalen Spalten, bezeichnet mit den Kleinbuchstaben a bis h (von links nach rechts aus der Sicht von Weiß).
- Reihen sind die acht horizontalen Zeilen, nummeriert von 1 bis 8 (beginnend auf der Seite von Weiß).
Das Feld in der linken unteren Ecke aus weißer Sicht heißt somit a1, das Feld in der rechten oberen Ecke h8. Zieht ein Bauer auf der e-Linie in die vierte Reihe, schreibt man schlicht e4. Dieses Koordinatennetz bildet das Fundament der gesamten algebraischen Notation.
Buchstaben der Figuren
Jede Figur (mit Ausnahme des Bauern) wird durch einen einzelnen Großbuchstaben dargestellt. Für Bauern wird überhaupt kein Buchstabe geschrieben – man notiert lediglich das Zielfeld.
Im internationalen Standard (SAN) sowie im digitalen PGN-Format gelten die folgenden Buchstaben:
| Figur | Buchstabe (SAN) | Beispielzug | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| König | K | Kf1 |
König zieht nach f1 |
| Dame | Q | Qd2 |
Dame zieht nach d2 |
| Turm | R | Re1 |
Turm zieht nach e1 |
| Läufer | B | Bb5 |
Läufer zieht nach b5 |
| Springer | N | Nf3 |
Springer zieht nach f3 |
| Bauer | (keiner) | e4 |
Bauer zieht nach e4 |
(Hinweis: Im deutschen Sprachraum werden auf Papier oft die deutschen Abkürzungen K, D, T, L, S verwendet. Im internationalen Standard SAN und im digitalen PGN-Format steht jedoch stets N für den Springer, da das K für den König reserviert ist.)
Das Grundmuster lautet immer: Figurenbuchstabe + Zielfeld. Beispielsweise bedeutet Nf3 „ein Springer zieht nach f3“ und Bb5 „ein Läufer zieht nach b5“.
Schlagen von Figuren
Schlägt eine Figur einen gegnerischen Stein, wird ein x vor dem Zielfeld eingefügt.
Bxe5: Ein Läufer schlägt die Figur auf e5.Qxe7: Eine Dame schlägt auf e7.
Beim Schlagen mit dem Bauern gibt es eine Besonderheit: Da der Bauer keinen Figurenbuchstaben hat, notiert man die Ausgangslinie des Bauern, gefolgt vom x und dem Zielfeld:
exd5: Ein Bauer auf der e-Linie schlägt eine Figur auf d5.cxb4: Ein Bauer auf der c-Linie schlägt auf b4.
Die Rochade
Die Rochade besitzt eigenständige Symbole, die mit dem Großbuchstaben O (nicht mit der Ziffer Null) geschrieben werden:
- Kurze Rochade (Königsflügel):
O-O - Lange Rochade (Damenflügel):
O-O-O
Eine einfache Eselsbrücke: Bei der langen Rochade legt der König einen weiteren Weg zurück – daher erhält sie die längere Notation mit drei O's.
Schach, Schachmatt und Partieergebnis
Besondere Spielsituationen werden durch ein nachgestelltes Zeichen gekennzeichnet:
- Schach wird mit einem Pluszeichen markiert:
Qxe7+bedeutet, dass die Dame auf e7 schlägt und gleichzeitig Schach bietet. - Schachmatt wird mit einer Raute bzw. einem Doppelkreuz markiert:
Qh7#bedeutet Schachmatt.
Am Ende einer vollständig aufgezeichneten Partie steht das Ergebnis: 1-0 (Weiß gewinnt), 0-1 (Schwarz gewinnt) oder 1/2-1/2 (Remis).
Bauernumwandlung
Erreicht ein Bauer die gegnerische Grundreihe, wandelt er sich um. Man schreibt den Zug, gefolgt von einem Gleichheitszeichen = und dem Buchstaben der neuen Figur:
e8=Q: Der Bauer zieht nach e8 und wandelt sich in eine Dame um.e8=Q#: Derselbe Zug setzt zugleich Schachmatt.bxa1=N+: Ein Bauer schlägt auf a1, verwandelt sich überraschend in einen Springer (Unterverwandlung) und gibt Schach.
En passant
Das Schlagen im Vorbeigehen (en passant) ist ein spezieller Bauerndoppelschritt-Schlagzug. Er wird exakt wie ein gewöhnlicher Bauernschlag notiert, basierend auf dem Feld, auf dem der schlagende Bauer landet:
exd6: Ein weißer Bauer auf e5 schlägt den schwarzen Bauern, der gerade von d7 nach d5 gezogen ist, und landet auf d6.
Manche Spieler fügen zur Verdeutlichung den Zusatz „e.p.“ an; dieser ist jedoch optional und gehört streng genommen nicht zum reinen SAN-Standard.
Eindeutigkeit: Wenn zwei Figuren dasselbe Feld betreten können
Gelegentlich können zwei gleichartige Figuren auf dasselbe Zielfeld ziehen. In SAN wird diese Mehrdeutigkeit aufgelöst, indem man die minimal notwendige Information über das Ausgangsfeld ergänzt.
Die feste Reihenfolge lautet: Zuerst die Ausgangslinie angeben; reicht das nicht aus, die Ausgangsreihe angeben; erst wenn beides nicht reicht, werden Linie und Reihe genannt.
Nbd2: Beide Springer können nach d2 ziehen; wir kennzeichnen den Springer auf der b-Linie.R1e2: Beide Türme können nach e2 ziehen und stehen auf derselben Linie; wir kennzeichnen den Turm auf der 1. Reihe.Qh4e1: In sehr seltenen Fällen (meist nach mehreren Bauernumwandlungen zu Damen) müssen sowohl Linie als auch Reihe des Ausgangsfeldes angegeben werden.
SAN im Vergleich zu anderen Notationssystemen
Die algebraische Kurznotation (SAN) ist der moderne weltweite Standard. Gelegentlich begegnen dir jedoch andere Schreibweisen:
- Standard Algebraic Notation (SAN): Die oben beschriebene Kurzform, z. B.
Nf3,exd5,O-O. Sie wird von der FIDE empfohlen und von fast allen Softwareprogrammen genutzt. - Ausführliche algebraische Notation (LAN): Nennt Ausgangs- und Zielfeld, meist mit Bindestrich getrennt, z. B.
Ng1-f3odere2-e4. Sie ist länger, schließt aber jede Mehrdeutigkeit von vornherein aus und wird daher gerne im Anfängertraining genutzt. - Deskriptive Notation: Ein älteres englischsprachiges System, das vor den 1980er-Jahren in englischen Büchern vorherrschte (z. B.
P-K4für Bauer nach Königs-Vier). Heute findet man sie nur noch in historischen Schachbüchern.
Für die tägliche Spielpraxis und digitale Partien ist die Standard-Algebraische Notation das Maß aller Dinge.
Ein durchgerechnetes Praxisbeispiel
Hier sind die ersten fünf Züge einer der berühmtesten Eröffnungen überhaupt, der Spanischen Partie (Ruy Lopez), notiert in SAN:
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O
Zug für Zug gelesen: Weiß eröffnet mit dem Bauern nach e4, Schwarz antwortet symmetrisch mit e5; Weiß entwickelt den Springer nach f3, Schwarz verteidigt mit dem Springer nach c6; Weiß stellt den Läufer nach b5 (Spanisch), Schwarz befragt ihn mit a6; der Läufer weicht nach a4 zurück, Schwarz entwickelt den Springer nach f6 und Weiß vollzieht die kurze Rochade. Mit etwas Übung liest du solche Zugfolgen so flüssig wie normalen Text.
Häufige Fehler
Typische Fehler auf realen Partieformularen beschränken sich meist auf wenige Klassiker: Nullen statt des Buchstabens O bei der Rochade, eine fehlende Ausgangslinie beim Bauernschlag, ein mehrdeutiger Springerzug oder verrutschte Spalten. Der Artikel Häufige Fehler bei der Schachnotation zeigt jeden dieser Fehler mit Vorher-Nachher-Korrekturen.
Wenn du tiefer in das Aufschreiben von Partien einsteigen möchtest, lies Wie man ein Partieformular liest und die offiziellen FIDE-Partieformular-Regeln. Das digitale Dateiformat hinter diesen Partien lernst du in Was ist PGN? kennen.
Notation ist auch die Sprache des Scanners
Die Standard-Algebraische Notation ist genau die Sprache, die ein Partieformular-Scanner erwartet. Ein sauber in SAN geführtes Formular lässt sich optimal verarbeiten. ScanChess erfasst das Foto deiner handschriftlichen Partie und wandelt dieselben SAN-Züge in eine PGN-Datei um – inklusive regeltechnischer Prüfung jedes einzelnen Zuges auf dem virtuellen Brett.

