1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 zeichnet drei vollständige Züge einer Schachpartie in der Standard-Algebraischen Notation (SAN) auf – der universellen Schachnotation, die bei FIDE-Turnieren, auf Partieformularen und in digitalen Datenbanken verwendet wird. Die Schachnotation bildet jeden Zug auf dem 64-Felder-Brett in eine prägnante Zeichenfolge ab: ein Großbuchstabe für die ziehende Figur (K, Q, R, B, N; Bauern tragen keinen Buchstaben), gefolgt von der Koordinate des Zielfeldes (Linien a–h, Reihen 1–8). Besondere Ereignisse modifizieren diese Zeichenfolge: x für Schlagen, + für Schach, # für Schachmatt, O-O oder O-O-O für die Rochade und = für eine Umwandlung.
Sobald du diese Koordinatensyntax beherrschst, kannst du jedes Turnier-Partieformular lesen, historische Partien transkribieren oder Züge ohne jede Mehrdeutigkeit in eine Analyse-Engine importieren.
Schachnotation auf einen Blick
| Notation | Bedeutung | Beispiel | Kontext |
|---|---|---|---|
a–h, 1–8 | Koordinaten für Linien (Spalten) und Reihen (Zeilen) | e4 | Bauer zieht auf das Feld e4 |
K, Q, R, B, N | König, Dame, Turm, Läufer, Springer | Nf3 | Springer zieht nach f3 (K ist für den König reserviert) |
| (kein Figurenbuchstabe) | Bauernzug | d4 | Reine Koordinaten bezeichnen immer einen Bauernzug |
x | Schlagen | Bxe5, exd5 | Figur oder Bauer schlägt eine gegnerische Einheit |
+ | Schach | Qh5+ | Gegnerischer König wird direkt angegriffen |
# | Schachmatt | Qxf7# | König ist angegriffen ohne legales Fluchtfeld; Partie endet |
O-O | Kurze Rochade (Königsflügel) | O-O | König zieht zwei Felder in Richtung h-Linie; Turm springt über |
O-O-O | Lange Rochade (Damenflügel) | O-O-O | König zieht zwei Felder in Richtung a-Linie; Turm springt über |
=Q, =N | Bauernumwandlung | e8=Q | Bauer, der die 8. Reihe erreicht, wandelt sich um (hier in eine Dame) |
e.p. | En-passant-Schlagen | exd6 (oder exd6 e.p.) | Bauer schlägt gegnerischen Bauern, der gerade zwei Felder vorgestoßen ist |
1-0, 0-1, 1/2-1/2 | Partieergebnis | 1-0 | Weiß gewinnt (1-0), Schwarz gewinnt (0-1) oder Remis (1/2-1/2) |
Das Koordinatennetz: Linien und Reihen
Jedes Feld auf einem Schachbrett besitzt eine eindeutige, zweistellige Koordinate, die sich aus einer vertikalen Spalte (Linie) und einer horizontalen Zeile (Reihe) zusammensetzt.
- Linien verlaufen vertikal von a bis h, von links nach rechts aus der Perspektive von Weiß gelesen.
- Reihen verlaufen horizontal von 1 bis 8, beginnend mit Reihe 1 auf der Grundreihe von Weiß und endend mit Reihe 8 auf der Grundreihe von Schwarz.
Das untere linke Eckfeld aus Sicht von Weiß ist a1, und das obere rechte Eckfeld ist h8. Wenn ein Spieler einen Bauern auf der Königs-Linie zwei Felder vorzieht, lautet der notierte Zug einfach e4.
Die Brettkoordinaten bleiben unabhängig davon, welche Farbe du spielst, unverändert: Das Feld e4 liegt immer auf der vierten Reihe der e-Linie. Um sicherzustellen, dass die Koordinaten zum Brett passen, überprüfe die in Artikel 2.1 der FIDE-Schachregeln definierte Aufstellungsregel: Jeder Spieler muss ein helles Feld in seiner rechten nahen Ecke haben („weißes Feld rechts“ / "light on the right"). Schachbrett richtig aufstellen geht die Figurenaufstellung Feld für Feld durch, und du kannst Koordinaten-Layouts auf dem Schachbrett-Editor testen.
Figurenbuchstaben und Zugaufbau
Jede Figur außer dem Bauern wird durch einen einzelnen Großbuchstaben gekennzeichnet:
| Figur | Buchstabe | Beispielzug | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| König | K | Kf1 | König zieht nach f1 |
| Dame | Q | Qd2 | Dame zieht nach d2 |
| Turm | R | Re1 | Turm zieht nach e1 |
| Läufer | B | Bb5 | Läufer entwickelt sich nach b5 |
| Springer | N | Nf3 | Springer springt nach f3 (N wird verwendet, da K für den König reserviert ist) |
| Bauer | (keiner) | e4 | Bauern tragen kein Figurenpräfix |
Einfache Züge kombinieren den Figurenbuchstaben mit dem Zielfeld: Nf3 liest sich als „Springer zieht nach f3“ und Bb5 als „Läufer zieht nach b5“. Da Bauern keinen Anfangsbuchstaben haben, wird jeder Zug, der mit einem Linien-Kleinbuchstaben beginnt (c4, d5, e4), sofort als Bauernvorstoß erkannt.
Während Artikel C.2 der FIDE-Regeln es nationalen Verbänden erlaubt, Partieformulare mit landessprachlichen Figurenbuchstaben zu drucken (wie etwa S für Springer im Deutschen oder C für Cavalier im Französischen), verlangen das internationale Turnierschach und digitale PGN-Dateien strikt die englischen Standardbuchstaben: K, Q, R, B und N.
Schlagen und En passant
Wenn eine Figur eine gegnerische Einheit schlägt, wird ein x zwischen den Figurenbuchstaben und das Zielfeld gesetzt:
Bxe5: Ein Läufer schlägt die Figur auf e5.Qxe7: Eine Dame schlägt auf e7.
Schlagzüge von Bauern erfordern eine Herkunftsangabe, da Bauern keinen Figurenbuchstaben besitzen. Man notiert die Ausgangslinie des schlagenden Bauern, gefolgt von x, gefolgt vom Zielfeld:
exd5: Der Bauer auf der e-Linie schlägt eine gegnerische Figur auf d5.cxb4: Der Bauer auf der c-Linie schlägt eine gegnerische Figur auf b4.
En Passant
Ein En-passant-Schlagzug wird exakt wie ein normaler Bauernschlagzug notiert, indem das Zielfeld genannt wird, auf dem der Bauer landet – nicht das Feld des geschlagenen Bauern:
exd6: Ein weißer Bauer auf e5 schlägt einen schwarzen Bauern, der gerade zwei Felder von d7 nach d5 vorgerückt ist, und landet auf d6.
Manche Spieler schreiben zur persönlichen Klarheit exd6 e.p. auf das Partieformular, doch strikte SAN- und PGN-Parser lassen diesen Zusatz weg.
Rochade, Schach, Matt und Umwandlung
Besondere Ereignisse verändern die grundlegende Notationszeichenfolge:
Rochade
Nach FIDE-Anhang C.13.1 und C.13.2 notiert die FIDE die Rochade auf Papier-Partieformularen mit Ziffern-Nullen (0-0 und 0-0-0). In digitalen PGN-Dateien verlangt die Spezifikation der algebraischen Standardnotation jedoch den Großbuchstaben O:
- Kurze Rochade (Königsflügel):
O-O(auf Papier0-0geschrieben) - Lange Rochade (Damenflügel):
O-O-O(auf Papier0-0-0geschrieben)
Schach und Schachmatt
- Bei einem Schachgebot wird ein Pluszeichen angehängt:
Qh5+zeigt an, dass der Zug Schach bietet. - Bei Schachmatt wird eine Raute (Doppelkreuz) angehängt:
Qxf7#zeigt Schachmatt an und beendet die Partie. - Auf historischen Partieformularen notierten Spieler gelegentlich
chfür Schach oder++für Doppelschach/Matt, doch modernes SAN standardisiert einheitlich auf+und#.
Bauernumwandlung
Wenn ein Bauer die achte Reihe erreicht (die erste Reihe für Schwarz), wandelt er sich sofort um. In SAN schreibt man das Zielfeld, ein Gleichheitszeichen = und den Großbuchstaben der gewählten Figur:
e8=Q: Bauer wandelt sich in eine Dame um.bxa1=N+: Bauer schlägt auf a1, unterverwandelt sich in einen Springer und gibt Schach.e8=Q#: Bauer wandelt sich in eine Dame um und setzt Schachmatt.
Unterscheidung von Mehrdeutigkeiten: Wenn zwei Figuren dasselbe Feld erreichen können
Können zwei gleichartige Figuren legal auf dasselbe Zielfeld ziehen, fügt SAN direkt nach dem Figurenbuchstaben eine Herkunftsangabe hinzu. Nach FIDE-Anhang C.10 und dem PGN-Standard folgt die Unterscheidung einer strikten dreistufigen Priorität:
- Zuerst die Ausgangslinie: Stehen die Figuren auf unterschiedlichen Linien, nennt man die Ausgangslinie.
- Als Zweites die Ausgangsreihe: Stehen die Figuren auf derselben Linie, nennt man die Ausgangsreihe.
- Linie und Reihe zusammen: Nur in seltenen Stellungen mit mehreren Figuren erforderlich, in denen weder Linie noch Reihe allein die Mehrdeutigkeit auflösen.
Fall 1: Unterscheidung nach Linie (Nbd2 vs Nfd2)
In der Eröffnungsstellung nach 1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. d3 d6 hat Weiß Springer auf b1 und f3. Beide können legal nach d2 springen. Da sie auf unterschiedlichen Linien stehen (b und f), löst die Ausgangslinie die Mehrdeutigkeit auf:
8 . . . . . . . .
7 . . . . . . . .
6 . . . . . . . .
5 . . . . . . . .
4 . . . . . . . .
3 . . . . . N . . <-- Knight on f3 (moves to d2: Nfd2)
2 . . . [X] . . . . <-- Target square d2
1 . N . . . . . . <-- Knight on b1 (moves to d2: Nbd2)
a b c d e f g h
- Springer auf b1 zieht nach d2:
Nbd2 - Springer auf f3 zieht nach d2:
Nfd2
Ein reales Beispiel stammt aus Zug 11 der Opernpartie von 1858 (Paul Morphy gegen Herzog Karl von Braunschweig und Graf Isouard):

Nachdem Weiß 11. Bxb5+ gespielt hat, steht der schwarze König im Schach. Schwarz kann einen Springer auf d7 dazwischenziehen, aber sowohl der Springer auf b8 als auch der Springer auf f6 können dieses Feld legal betreten. Da die Springer auf unterschiedlichen Linien (b und f) stehen, verlangt FIDE-Anhang C.10 die Angabe der Ausgangslinie: Schwarz spielt 11... Nbd7.
Fall 2: Unterscheidung nach Reihe (R1e2 vs R7e2)
Wenn zwei gleichartige Figuren auf derselben Linie stehen, würde die Angabe der Linie (Ree2) weiterhin beide Türme ununterscheidbar lassen. Stattdessen wird die Reihennummer verwendet:
8 . . . . . . . .
7 . . . . R . . . <-- Rook on e7 (moves to e2: R7e2)
6 . . . . . . . .
5 . . . . . . . .
4 . . . . . . . .
3 . . . . . . . .
2 . . . . [X] . . . <-- Target square e2
1 . . . . R . . . <-- Rook on e1 (moves to e2: R1e2)
a b c d e f g h
- Turm auf e1 zieht nach e2:
R1e2 - Turm auf e7 zieht nach e2:
R7e2
Fall 3: Die Drei-Figuren-Regel (Qa1e5)
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass zwei Damen oder zwei Türme auf diagonal zueinander stehenden Feldern beide Koordinaten benötigen (wie Qh4e1). Nach den SAN-Regeln unterscheiden sich zwei gleichartige Figuren, die dasselbe Feld anvisieren, immer nach Linie oder Reihe: Wenn sich ihre Linien unterscheiden, ist die Linie zwingend vorgeschrieben; stimmen ihre Linien überein, ist die Reihe zwingend vorgeschrieben.
Sowohl Linie als auch Reihe sind nur dann erforderlich, wenn drei oder mehr gleichartige Figuren (entstanden durch Bauernumwandlung) auf dasselbe Feld ziehen können, sodass Herkunftsangaben mit nur einer Koordinate mehrdeutig bleiben:
8 . . . . . . . .
7 . . . . . . . .
6 . . . . . . . .
5 Q . . . [X] . . . <-- Queen on a5 (moves to e5: Q5e5)
4 . . . . . . . .
3 . . . . . . . .
2 . . . . . . . .
1 Q . . . Q . . . <-- Queen on e1 (Qee5) / Queen on a1 (Qa1e5)
a b c d e f g h
Angenommen, Weiß hat drei Damen auf a1, a5 und e1, die alle freie Zugbahnen nach e5 haben:
- Die Dame auf a5 zieht entlang der 5. Reihe: Die Schreibweise
Qae5scheitert (Qa1 steht ebenfalls auf der a-Linie), aber die AngabeQ5e5identifiziert sie eindeutig, da keine andere Dame auf der 5. Reihe steht. - Die Dame auf e1 zieht entlang der e-Linie: Die Schreibweise
Q1e5scheitert (Qa1 steht ebenfalls auf der 1. Reihe), aber die AngabeQee5identifiziert sie eindeutig, da keine andere Dame auf der e-Linie steht. - Die Dame auf a1 zieht diagonal nach e5: Die Angabe
Qae5ist uneindeutig gegenüber Qa5, und die AngabeQ1e5ist uneindeutig gegenüber Qe1. Weder Linie noch Reihe allein lösen den Zug auf. Daher müssen beide Ausgangskoordinaten angegeben werden:Qa1e5.
Übungsaufgaben: Teste deine Notation
Teste dein Verständnis der SAN-Notation und der Auflösung von Mehrdeutigkeiten anhand dieser drei typischen Szenarien:
Übung 1: Springer entwickeln
- Stellung: Weiße Springer stehen auf b1 und f3; Bauern stehen auf d3 und e4. Weiß zieht den Springer von f3 nach d2.
- Aufgabe: Wie wird dieser Zug in SAN notiert?
- Antwort:
Nfd2. Beide Springer können d2 legal erreichen. Da sie auf verschiedenen Linien (bundf) stehen, verlangt SAN die Ausgangslinie.
Übung 2: Türme auf einer offenen Linie
- Stellung: Weiße Türme stehen auf e1 und e8 auf der offenen e-Linie. Weiß zieht den Turm auf e1 vor nach e4.
- Aufgabe: Wie wird dieser Zug in SAN notiert?
- Antwort:
R1e4. Beide Türme teilen sich die e-Linie.Re4zu schreiben ist uneindeutig, undRee4funktioniert nicht, weil beide Türme auf der e-Linie stehen. Die Angabe der Ausgangsreihe löst den Zug zuR1e4auf.
Übung 3: En-passant-Schlagen
- Stellung: Weiß hat einen weit vorgerückten Bauern auf e5. Schwarz spielt
d7-d5. Weiß schlägt den Bauern im nächsten Zug en passant. - Aufgabe: Wie wird der Schlagzug von Weiß in striktem SAN geschrieben?
- Antwort:
exd6. En-passant-Schlagzüge erfassen die Ausgangslinie (e), das Schlagzeichen (x) und das endgültige Zielfeld, auf dem der Bauer landet (d6).
Handschriftliche Tücken auf dem Partieformular und Korrektur anhand der Zuglegalität
Physische Turnier-Partieformulare werden unter Zeitnot schnell ausgefüllt, was zu vorhersehbaren Notationsfehlern führt. Beim Importieren eines Partieformulars in eine digitale Datenbank oder beim Nachspielen von Zügen stützt sich Software auf die Regelkonformität des Schachs, um unklare Handschriften zu erkennen und aufzulösen:
| Handschriftliche Notation | Häufige Fehlinterpretation | Tatsächlicher Zug | Wie Regel-Engines den Fehler auflösen |
|---|---|---|---|
Bc4 (enge Schleife) | 8c4 oder 13c4 | Bc4 | Ziffern können in SAN kein Zug-Token einleiten. Das Nachverfolgen der Brettstellung (FEN) zeigt einen weißen Läufer auf f1, der c4 erreichen kann, während keine Figur namens „8“ existiert. |
b6 (verlängerte Oberlänge) | h6 oder 66 | b6 | Zwei Reihenziffern (66) verletzen die SAN-Syntax. Hat Schwarz einen Bauern auf b7, ist b6 legal; ist h7 leer oder h6 blockiert, verwirft die Engine h6 und validiert b6. |
Ke2 (flüchtiger Strich) | Re2 | Ke2 (oder Re2) | Unter Zeitnot ähnelt ein geschriebenes K oft einem R. Die Engine prüft, ob e2 angegriffen ist (was einen Königszug verbietet) oder ob nur eine der Figuren das Feld legal betreten kann. |
0-0 / 0-0-0 (auf Papier) | Nullen im digitalen PGN | O-O / O-O-O | Die offizielle Papiernotation der FIDE verwendet numerische Nullen (0-0 und 0-0-0), die digitale PGN-Spezifikation verlangt jedoch die Großbuchstaben O-O und O-O-O. In unserem Test am 2026-09-30 akzeptierten Lichess, Chess.com und der ScanChess-Validator alle 0-0-0. |
xd4 oder d4 | Einfacher Bauernvorstoß | exd4 (oder cxd4) | Wenn d4 besetzt ist, ist ein einfacher Vorstoß d4 illegal. Die Engine prüft benachbarte Linien auf eigene Bauern auf c5 oder e5, um die fehlende Ausgangslinie zu rekonstruieren. |
Eine vollständige Aufschlüsselung von Partieformular-Fehlern und wie du sie in Turnierpartien vermeidest, findest du unter Häufige Fehler bei der Schachnotation.
Notation auf einem echten Formular: Ein deutsches Partieformular von 1973
Um diese Konventionen auf Papier zu sehen, haben wir ein echtes Partieformular aus Runde 1 des Berliner Silvesterturniers 1973 zwischen Juliane Hund und Finkenzeller transkribiert:

Gemäß FIDE-Anhang C.3 ist es Spielern gestattet, Züge auf Papier mit den in ihrem Land üblichen Figurenbuchstaben aufzuzeichnen. Auf diesem deutschen Partieformular verwendete die Spielerin deutsche Figurenbuchstaben:
- S = Springer (Knight)
- L = Läufer (Bishop)
- T = Turm (Rook)
- D = Dame (Queen)
- K = König (King)
Schlagzüge sind auf diesem Formular durch einen Doppelpunkt (:) nach dem Zug anstelle eines x gekennzeichnet (beispielsweise bedeutet cd5: cxd5 und Tc6: bedeutet Rxc6). Die Rochade wird mit Nullen als 0-0 notiert. Zudem weist die Handschrift besondere Schreibschrift-Eigenheiten auf: Der Buchstabe b hat eine Oberschleife, die einem l oder f ähnelt (wie in Db3 und Lb7), und bei Zug 15 (15... Ld6) wurde eine Korrektur direkt über den Buchstaben d geschrieben. Bei Zug 23 enthält die Spalte von Schwarz nach Weiß' 23. Tc7 eine handschriftliche deutsche Abkürzung für „aufgegeben“ (aufgegeben) anstelle eines Zuges.
Nachfolgend findest du eine Zug-für-Zug-Übertragung der Zeilen 11 bis 17 dieses Formulars in Standard-SAN:
| Zug-Nr. | Deutsch wie notiert | SAN-Übertragung | Details |
|---|---|---|---|
| 11 | Sb5: / ab5: | 11. Nxb5 axb5 | Springerschlag auf b5 (Sb5:); Zurückschlagen mit dem Bauern mit Doppelpunkt als Schlagzeichen (ab5:) |
| 12 | Tc6: / Se8 | 12. Rxc6 Ne8 | Turm schlägt Springer auf c6 (Tc6:); Schwarz zieht Springer nach e8 zurück (Se8) |
| 13 | Db3 / Lb7 | 13. Qb3 Bb7 | Dame nach b3 (Db3); Läufer entwickelt sich nach b7 (Lb7); handschriftliches b zeigt geschlungene Oberlänge |
| 14 | Tc2 / Db6 | 14. Rc2 Qb6 | Turm nach c2 (Tc2); Dame entwickelt sich nach b6 (Db6) |
| 15 | Tfc1 / Ld6 | 15. Rfc1 Bd6 | Unterscheidung nach Linie bei Türmen (Tfc1); Läufer entwickelt sich nach d6 mit einem über d geschriebenen Buchstaben |
| 16 | Ld2 / Sf6 | 16. Bd2 Nf6 | Läufer zieht zurück nach d2 (Ld2); Springer kehrt nach f6 zurück (Sf6) |
| 17 | Lb4 / Lb4: | 17. Bb4 Bxb4 | Läufer zieht nach b4 (Lb4); Läufer schlägt mit Doppelpunkt (Lb4:) |
Wir haben alle 23 Züge der Partie in python-chess übertragen und bestätigt, dass jeder Zug legal ist:
1. c4 Nf6 2. Nc3 c6 3. g3 d5 4. cxd5 cxd5 5. Bg2 e6 6. d4 Be7 7. Nf3 Nc6 8. O-O O-O 9. Bf4 a6 10. Rc1 b5 11. Nxb5 axb5 12. Rxc6 Ne8 13. Qb3 Bb7 14. Rc2 Qb6 15. Rfc1 Bd6 16. Bd2 Nf6 17. Bb4 Bxb4 18. Qxb4 Nd7 19. a3 Rfc8 20. Nd2 Rxc2 21. Rxc2 Ra4 22. Qe7 Nf8 23. Rc7 1-0
Wie Parser auf deutsche Notation reagieren
Wird eine unübersetzte deutsche Notation in digitale Schachsoftware importiert, scheitern die Parser, weil PGN-Spezifikationen englische Figurenbuchstaben verlangen:
- ScanChess PGN Validator: Beim PGN-Validator führte die wörtliche Eingabe der deutschen Notation (
1. c4 Sf6 2. Sc3 ...) zu "Regelwidriger Zug bei 1... Sf6", da der Validator deutsche Figurenbuchstaben nicht übersetzt. - Lichess: Das Einfügen von
1. c4 Sf6 2. Sc3 c6 ...bei Lichess ergab: "PGN error: Can't play c3 at move 2, ply 3". Lichess beanstandeteSf6nicht direkt. Der Fehler nennt c3 in Zug 2, was darauf hindeutet, dass das System1... Sf6als den Bauernzug f6 und2. Sc3als den Bauernzug c3 interpretiert hat – was unmöglich ist, da der c-Bauer bereits auf c4 steht. Unübersetzte ausländische Figurenbuchstaben können einen Fehler daher einen Zug später als an der eigentlichen Fehlerstelle auslösen.
SAN vs. LAN vs. UCI vs. Deskriptive Notation
Während SAN das menschenlesbare Standardformat ist, nutzen Schachsoftware und historische Literatur auch andere Systeme:
- Standard Algebraic Notation (SAN): Das in diesem Leitfaden erläuterte kompakte Format (
Nf3,exd5,O-O). Das offizielle System der FIDE und das Standard-Zugformat in PGN-Dateien. - Ausführliche algebraische Notation (LAN): Schreibt Ausgangs- und Zielfeld aus, getrennt durch einen Bindestrich oder ein Schlagzeichen (
Ng1-f3,e2-e4,Bf1xe5). Obwohl sperriger, schließt LAN jede Mehrdeutigkeit aus und ist in Taktikbüchern für Anfänger weiterhin gebräuchlich. - Universal Chess Interface (UCI): Das Koordinatenformat, das von Schach-Engines (wie Stockfish) zur Übermittlung von Zügen verwendet wird:
g1f3,e2e4,e7e8q. UCI verzichtet auf Figurennamen, Schlagzeichen, Schachgebote und Rochade-Buchstaben (e1g1). - Deskriptive Notation: Das vor 1980 im englischen Sprachraum dominierende Notationssystem, bei dem Felder aus der Sicht des jeweiligen Spielers ausgehend von den Figuren-Linien benannt werden (
1. P-K4 P-K4 2. N-KB3 N-QB3). Historische Bücher müssen erst in SAN übersetzt werden, bevor Software sie lesen kann.
Wenn sich eine importierte Zugfolge in deiner Software nicht abspielen lässt, füge den Text in den PGN-Validator ein, um den ersten syntaktisch ungültigen oder illegalen Zug zu ermitteln. Wie du historische Bücher in das moderne algebraische Format überträgst, erfährst du unter Deskriptive vs. algebraische Schachnotation.
Ein durchgerechnetes Praxisbeispiel: Die Spanische Partie (Ruy Lopez)
Hier sind die ersten fünf Züge einer berühmten Eröffnung, der Spanischen Partie (Ruy Lopez), notiert in SAN:
1. e4 e5 2. Nf3 Nc6 3. Bb5 a6 4. Ba4 Nf6 5. O-O
Zug für Zug gelesen: Weiß zieht den Bauern nach e4, Schwarz antwortet spiegelbildlich mit e5; Weiß entwickelt den Springer nach f3, Schwarz antwortet mit dem Springer nach c6; der weiße Läufer zieht nach b5 (die Spanische Partie), Schwarz befragt ihn mit a6; der Läufer weicht nach a4 zurück, Schwarz entwickelt einen Springer nach f6 und Weiß rochiert kurz. Mit etwas Übung wirst du solche Notationen so flüssig lesen wie normalen Text.
Mehr zur Schachnotation
Jeder dieser Artikel greift einen Teil des Themas vertiefend auf:
- Symbole hinter einem Zug wie
!,?!und??: Schachsymbole und Kommentierungszeichen. - Alte Bücher mit Zügen wie P-K4: Deskriptive vs. algebraische Schachnotation.
- Züge während der Partie aufschreiben: Wie man ein Partieformular ausfüllt, die offiziellen FIDE-Regeln zum Partieformular und Wie man ein Partieformular liest, um fremde Aufzeichnungen zu entziffern.
- Notation in Dateien: Was ist PGN? für ganze Partien und Was ist FEN? für einzelne Stellungen.
Notation ist auch die Sprache des Scanners
Die Standard-Algebraische Notation ist genau die Sprache, die ein Partieformular-Scanner erwartet – ein sauber in SAN geführtes Formular lässt sich daher optimal einlesen. ScanChess nimmt ein Foto der handschriftlichen Seite auf und liefert dieselben SAN-Züge als PGN zurück, wobei jeder Zug auf einem Brett nachgespielt wird, um zu prüfen, ob er legal ist. Diagrammleser wie Chessvision.ai lösen eine andere Aufgabe: Sie machen aus einer gedruckten oder am Bildschirm angezeigten Stellung eine FEN. Der Vergleich Chessvision.ai vs. ScanChess stellt beide nebeneinander. Wenn du frische Formulare für deine kommenden Turnierrunden benötigst, kannst du dir auch druckbare Partieformulare herunterladen.
